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Marty Lamers
Der Mann mit den tiefblauen Augen und dem schwarzen, akzentuiert unfrisierten Schopf ist anders. Wie seine Stoffe. Und seine Ansichten. Urlaub in ländlicher Abgeschiedenheit ist Lamers, der auf dem Bauernhof aufgewachsen ist, unangenehm. „Zu wenig Kommunikation, zu einsam“, meint er und schwärmt von Metropolen wie Amsterdam und New York. Etwas unruhig wirkt der 38-Jährige, rastlos, denn er mit großer Geste parliert, schnell von einem Thema zum nächsten springt und die Frage nach möglichen Trends mit skeptischer Mimik quittiert. „Ich bin sehr visuell und verlasse mich lieber auf meine Intuition, weniger auf eine prognostizierte Nachfrage“, erklärt er selbstbewusst. Einen sehr frühen Bezug zu Stoffen hatte er nicht, so der studierte Mode- und Textildesigner, der inzwischen selbst Professor an der Design- Akademie im niederländischen Eindhoven ist. Mit 14 interessierte er sich zwar für Mode und studierte später Modedesign. Erfüllt habe ihn das jedoch nicht. Industriedesign, sein Zweitstudium, hingegen schon. Nachdem er währenddessen bei Ulf Moritz, einem der innovativsten Kreativgeister in der Heimtextilbranche, ein Textildesign-Praktikum absolvierte, war das der Wendepunkt in seinem Leben. „Es faszinierte mich, was man alles aus Fäden machen kann“, erzählt er rückblickend. Seine Leidenschaft für das mit dem Grundmaterial technisch Machbare, „das Maskuline“ daran, wie er es ausdrückt, war geweckt. Zehn Jahre arbeitete er mit Moritz zusammen und experimentierte mit Fasern sehr vieler unterschiedlicher Materialien von Seide bis Nylon. „Schon damals ging meine Arbeit in Richtung Showroom“, erinnert sich der Textil-Virtuose. Das Ziel stand fest. Der Weg dorthin auch. Ende 2004 nahm er mit Ralph Anstoetz, Kreativ-Direktor von JAB ANSTOETZ, Kontakt auf. Die Chemie stimmte sofort, worauf Ralph Anstoetz eine gemeinsame Realisierung von Showroom vorschlug. Lamers war sehr dankbar für diese Chance, war Showroom doch auch ein Experiment. Auf der Heimtextil 2006 wurde die progressive Kollektion in ausgefallenem Materialmix in einer Art Black-Box der Öffentlichkeit präsentiert. Die Presse war angetan – und überrascht zugleich. Schnell machten die textilen Schöpfungen von sich Reden. Zwei Dekos aus Showroom Vol. 1 wurden prompt mit dem red dot award: product design 2006 ausgezeichnet. Die gemeinsame Wegstrecke, die Lamers mit JAB ANSTOETZ zurücklegt, ist noch nicht zu Ende. Etwas wärmer im Farbausdruck wird die Nachfolgekollektion Showroom Vol. 2 sein, verrät Lamers. Über Vol. 3 dagegen müsse er noch nachdenken. An einem Ort, an dem das Leben pulsiert. Amsterdam oder New York. Vielleicht.
Quelle: JAB Anstoetz
